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Foto: Matthias Vogel

Allgemein
Mittwoch, 04.11.2026 | Matthias Vogel

Es zieht ein wenig im "Wohnzimmer"

Der SFC Stern 1900 ist sportlich erfolgreich, zählt 983 Mitglieder und bietet vom Breitensport bis zum leistungsorientierten Fußball ein außergewöhnlich breites Angebot. Doch die steigenden Kosten bereiten dem Verein zunehmend Sorgen. Auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Freitag stand deshalb vor allem die finanzielle Zukunft im Mittelpunkt. Mehr als 60 stimmberechtigte Mitglieder beschlossen eine deutliche Beitragserhöhung.

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Für Roman Rießler (Bild oben, am Rednerpult) ist der Sterner so etwas wie ein zweites Wohnzimmer. Jedes Mal, wenn er die Sportanlage betritt, freue er sich darüber, was hier alles zusammenkomme, erzählte der Vereinsvorsitzende, der nunmehr seit einem Jahr gemeinsam mit Bernd Fiedler die Doppelspitze des SFC Stern 1900 bildet. Groß und Klein, leistungsorientierter Fußball und Breitensport – alles unter einem Dach. Gerade diese Vielfalt mache den Verein so besonders. Und auch auf die inzwischen 983 Mitglieder könne man durchaus stolz sein. "Es ist kurios. Zwar haben wir 174 Austritte zu verzeichnen, allerdings eben auch 237 Eintritte", sagte Fiedler. "Wir sind nach wie vor angesagt."

Doch im Wohnzimmer zieht es ein wenig. Denn so erfreulich sich der Verein sportlich und hinsichtlich seiner Mitgliederzahlen entwickelt, so schwierig gestaltet sich zunehmend seine wirtschaftliche Situation. Die Führung eines Sportvereins gleicht – das ist nicht neu – mittlerweile immer mehr der eines Unternehmens. Fehlende Ehrenamtliche, steigende Personalkosten, wachsender Verwaltungsaufwand, gestiegene Schiedsrichter- und Ausbildungsgebühren für Trainer stellen auch den SFC Stern 1900 vor erhebliche Herausforderungen.

Wichtig nun: Die Personalkosten genau prüfen

Wie ernst die Lage ist, verdeutlichte Schatzmeister Stefan Reinelt in seinem Kassenbericht. Das Geschäftsjahr 2025 schloss der Verein mit einem Verlust von 24.500 Euro ab. Reinelt warnte eindringlich davor, dass der Verein ohne entsprechende Gegenmaßnahmen auf ein "finanzielles Chaos" zusteuere. Gerade bei den Personalausgaben müsse künftig genauer hingeschaut werden, sie machten einen erheblichen Anteil der Kosten aus.

Eine Konsequenz zog die Mitgliederversammlung unmittelbar: Mit großer Mehrheit wurde der Antrag des Vorstandes beschlossen, den monatlichen Mitgliedsbeitrag von bislang 25 auf 30 Euro anzuheben. Die passive Mitgliedschaft schlägt künftig mit elf statt wie bisher neun Euro zu Buche. Ein spürbarer Schritt für die Mitglieder, aus Sicht der Vereinsführung angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung jedoch notwendig.

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Dass sich finanzielle Belastungen nicht ausschließlich aus steigenden Betriebskosten ergeben, machte Bernd Fiedler deutlich. Allein im September habe der zuständige Verband dem Verein rund 4.000 Euro abgebucht. Darin neben den Schiedsrichterkosten enthalten: Strafen des Verbandes für verspätet freigegebene oder nach Abpfiff nicht abgehakte Spielberichte, Nichtantritte im Pokal. Der Verband sei bei der Zusammenstellung seines Strafenkatalogs ausgesprochen kreativ, merkte Fiedler sinngemäß an. Und Stern bediene diesen Katalog offenbar nur allzu bereitwillig. "Das stört mich", so der Vorsitzende. Trainer und Betreuer müssten hier gewissenhafter arbeiten.

Neben den finanziellen Sorgen beschäftigt den Verein auch die personelle Situation in seiner Führung. Stefan Reinelt erklärte seinen sofortigen Rücktritt als Schatzmeister. "Amtsmüde" sei er, erklärte er und nannte auch gesundheitliche Gründe für seine Entscheidung. Seine Aufgaben übernimmt vorerst kommissarisch Roman Rießler. Damit verteilt sich die Vorstandsarbeit auf noch weniger Schultern.

Ein dringlicher Appell für das Ehrenamt

Eine Entwicklung, die Thomas Köpke mit Sorge betrachtet. Der langjährige frühere zweite Vorsitzende appellierte insbesondere an die jüngeren Vereinsmitglieder, mehr Verantwortung zu übernehmen. Es könne auf Dauer nicht funktionieren, wenn immer mehr Aufgaben von immer weniger Ehrenamtlichen erledigt werden müssten. Ein Verein dieser Größenordnung brauche Menschen, die bereit seien, sich auch jenseits des Fußballplatzes einzubringen. Andernfalls drohe irgendwann eine Situation, in der wichtige Führungspositionen nicht mehr besetzt werden könnten.

Dabei gibt es durchaus gute Gründe, mit Stolz auf die Entwicklung des SFC Stern 1900 zu blicken. Sportlich verlief die Saison 2025/26 ausgesprochen erfolgreich, hieß es am Freitag. So sicherten sich beispielsweise sowohl die Erste Frauen als auch die Ü40 die Berliner Meisterschaft. Zwei Meistertitel in einer Saison – eine bemerkenswerte Bilanz und in der abgelaufenen Saison Alleinstellungsmerkmal in der Hauptstadt. Auch der dritte Platz der Herren in der Berlin-Liga trotz zweifachen Trainerwechsels und der direkte Wiederaufstieg der zweiten Herren wertete Rießler als jeweils großen Erfolg und "aller Ehren wert".

Auch die Nachwuchsarbeit liefert erfreuliche Ergebnisse. Die A-Junioren behaupten sich in der Regionalliga, und die Leistungen der C-Junioren wurden auf der Versammlung ausdrücklich gewürdigt. Besonders herausragend ist die Entwicklung von Nathan Knoll, der im Trikot des SFC Stern 1900 zum U-Nationalspieler avancierte und inzwischen bei Hertha BSC spielt.